Spermizid und kontrazeptives Gel

Spermizid und kontrazeptives Gel

Ah, ja, das Zeug, dass man da so nimmt und dann tötet es die Spermien, richtig?
Fast richtig!

Erst einmal ist zwischen zwei Typen zu unterscheiden, das Spermizid auf Milch- oder Zitronensäurebasis und das kontrazeptive Gel (auch als Creme, Schaum oder Zäpfchen erhältlich) mit Nonoxynol-9 als Wirkstoff.

Spermizide wurden in verschiedensten Formen schon seit Jahrhunderten zur Verhütung verwendet. Die heutige Form des Spermizides funktioniert nach dem gleichen Prinzip, nur ist die Konzentration höher und Konstant, sodass Schwankungen der Zuverlässigkeit nicht mehr am Produkt selbst liegen können.

Material:

Das Spermizid/kontrazeptive (Gel) kommt in unterschiedlichen Formen vor:

  • Gel
  • Creme
  • Schaum
  • Zäpfchen
  • Schwämme (werden nicht mehr verkauft aufgrund ihrer geringen Wirkung)

Wie bereits geschrieben basiert das Spermizid auf Zitronen- oder Milchsäurebasis, kontrazeptives (Gel) auf dem Wirkstoff Nonoxynol-9.

Verwendung:

Gel und Creme werden mit ein wenig Übung und eventuell mit dem beigelegten Applikator direkt vor den Muttermund gelegt. Der Schaum wird in den Scheideneingang gesprüht und verteilt sich so in der gesamten Scheide. Das Zäpfchen und das Schwämmchen werden beide vollständig in die Scheide eingeführt, das Schwämmchen verweilt während des Aktes in der Scheide, das Zäpfchen löst sich auf.

Anwendung:

Die Anwendung erfolgt in der Scheide,vorm Muttermund oder in der gesamten Scheide.

Bei der Anwendung müsst ihr auf jeden Fall die Packungsbeilage beachten, jedes Spermizid/kontrazeptive (Gel) wirkt anders und benötigt andere Mengen. In der Regel muss das Spermizid/kontrazeptive (Gel) mindesten 10 Minuten vor dem Akt angewendet werden. Vorbereitend kann das Spermizid/kontrazeptive (Gel) maximal 30-60 Minuten vor dem Akt angewendet werden.

Das Spermizid/kontrazeptive (Gel) verhütet für zwei Stunden, bzw. einen Samenerguss. Seid ihr länger dabei oder eine weitere Runde steht an, müsst Spermizid/kontrazeptives (Gel)  nachlegen.

Wirkung:

Spermizid

Das Spermizid ist auf Milch- oder Zitronensäurebasis und lähmt die Spermien durch Veränderung des Scheidenmilieus. Außerdem gibt es Spermizide, die vorm Muttermund liegen und ihre Konsistenz verändern. Damit erschaffen sie eine zähflüssige Barriere vor dem Muttermund, die die Spermien vom Eindringen abhält.

Kontrazeptives (Gel)

Das kontrazeptive (Gel) basiert auf Nonoxymol-9, dies zerstört die Hülle des Spermiums, die Samenzelle schrumpft und verliert ihre Fähigkeit sich fortzubewegen, die Samenzelle stirbt ab. Außerdem gibt es (Gele), die vorm Muttermund liegen und ihre Konsistenz verändern. Damit erschaffen sie eine zähflüssige Barriere vor dem Muttermund, die die Spermien vom Eindringen abhält.

Vaginalfilm

Der Vaginalfilm ist in Deutschland nicht erhältlich und wirkt wie das kontrazeptive (Gel).

Verhütungssicherheit:

Die Sicherheit hängt natürlich auch vom Verwender ab. Die richtige Handhabung ist bereits oben erklärt und die Packungsbeilage ist unbedingt zu beachten. Vor dem ersten Verwenden solltet ihr das applizieren üben, bis die Anwendung sicher ist.

Pearl Index: 3-21

In Kombination mit einer Barrieremethode (Kondom, Femidom, Diaphragma, Portiokappe) liegt der Pearl Index bei: 1-3

Schutz:

Spermizide/kontrazeptive (Gele) schützen vor ungewollter Schwangerschaft, jedoch nicht vor sexuell übertragbaren Krankheiten.

Vorteile:

Das Spermizid/kontrazeptive (Gel) ist einfach anzuwenden und kann ins Vorspiel eingebaut werden.

Spermizide/kontrazeptive (Gele) sind nicht verschreibungspflichtig und frei verkäuflich in Apotheken zu erwerben, zusätzliche Termine beim Gynäkologen zur Verschreibung sind somit nicht nötig.

Es erfolgt kein Eingriff in den weiblichen Zyklus, da Spermizide/kontrazeptive (Gele) keine Hormone enthalten und von außen angewendet werden. Durch den Erhalt des natürlichen Zykluses ist eine Schwangerschaft sofort nach dem Absetzen möglich.

Das Spermizid/kontrazeptive (Gel)  wird nur bei Bedarf angewendet.

Nachteile:

Der Pearl Index des Spermizides/kontrazeptiven (Gels) ist so hoch, dass die alleinige Verwendung nicht empfohlen wird, jedoch ist es in Kombination, zum Beispiel mit einem Diaphragma, ein sehr sinnvolles Verhütungsmittel.

Das Spermizid/kontrazeptive (Gel) bildet keinen Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten.

Wird das Spermizid/kontrazeptive (Gel) nicht in ausreichender Menge angewendet, besteht kein Schutz vor einer Schwangerschaft.

Durch unterschiedliche vaginale Milieus ist die Wirkung des Spermizides/kontrazeptiven (Gels) schlecht zeitlich einzuschätzen, außerdem kann man im Eifer des Gefechts schnell mal die Zeit vergessen. Die zeitlichen Vorgaben sind unabdingbar und eine Überschreitung der Zeit hat an den fruchtbaren Tagen mit großer Wahrscheinlichkeit eine Schwangerschaft zur Folge.

Nebenwirkungen des Spermizides/kontrazeptiven (Gels) können die Veränderung des Scheidenmilieus, Schleimhautreizungen oder allergische Reaktionen sein. Im Falle einer Schleimhautreizung oder allergischen Reaktion ist das Spermizid/kontrazeptive (Gel) nicht mehr anzuwenden und ein Arzt sollte aufgesucht werden, wenn nach einigen Stunden keine Besserung eintritt oder aber sich die Symptome verschlimmern.

Folgen einer Milieuveränderung können sein: Scheidentrockenheit mit möglicher Bildung von Haarrissen in der Schleimhaut, was zu leichten Blutungen führen kann; erhöhtes Risiko für Infekte, wie zum Beispiel Harnwegsinfekte; Geruchsveränderung.

Weitere Information:

Es wird vermutet, das Spermizide bestimmte Bakterien töten, die nichts in der Scheide zu suchen haben.

Viele Paare nutzen das Vorspiel zum applizieren des Spermizides/kontrazeptiven (Gels).

Was ist, wenn…

…Reizungen der Haut und/oder der Schleimhäute während oder nach dem Geschlechtsverkehr auftreten?

Ist die Reizung nur von kurzer Dauer (beim Geschlechtsverkehr und wenige Stunden danach), sprich es bei deinem nächsten Termin bei der/dem Gynäkologe/Gynäkologin oder Mitarbeiter/in einer Beratungsstelle oder des Familienhilfezentrums an/vereinbare einen Termin in der nächsten Zeit. Besteht die Reizung länger, sollte sofort ein Arzt aufgesucht werden.

…meine Scheide trocken wird beim Akt?

Hier ist Feinfühligkeit gefragt. Ist es nur ein einmaliges Phänomen? Nein? Dann wäre es eine Idee die Marke zu wechseln, viele Frauen berichten von Scheidentrockenheit, die nach einem Produkt-/Markenwechsel verschwindet. Bleibt das Problem bestehen, würde ich das Verhütungsmittel wechseln, Sex soll Spaß machen!

Kosten und Beschaffung:

Die Kosten sind von Form zu Form unterschiedlich und sollte in der Apotheke deines Vertrauens gekauft werden, für den Fall, dass mögliche Nebenwirkungen auftreten, hast du gleich einen Ansprechpartner und individuelle Fragen kannst du ich vor Ort beantwortet bekommen. Das Gel kostet ab 12,50€/100g.

Gut zu wissen:

Unverträglichkeiten äußern sich in Form von Brennen, Juckreiz, Hautirritationen, Hautausschlag und Schmerzen. Sollte das der Fall sein, kannst du ein anderes Produkt ausprobieren und solltest auf keinen Fall ein weiteres Mal das Produkt anwenden, denn Reaktionen dieser Art werden in der Regel mit der Zeit schlimmer.

Nutzt ihr ein Kondom in Kombination, dann achtet darauf, dass das Spermizid/kontrazeptive (Gel) auf Wasserbasis ist, ansonsten kann das Kondom reißen.

Schnelle Hilfe bei HIV-Gefahr

Besteht nach einer Kondom-Panne die Möglichkeit, dass man sich selbst, die Partnerin oder den Partner mit HIV infiziert hat, lässt sich das Ansteckungsrisiko durch einige Sofortmaßnahmen senken:

  • Äußeres Abduschen des Penis bei zurückgezogener Vorhaut.
  • Urinieren.
  • Bei Aufnahme von Sperma in den Mund Sperma sofort ausspucken, und wenn möglich den Mund ausspülen. Nicht die Zähne putzen, denn das könnte eventuell vorhandene Viren ins Zahnfleisch reiben.
  • Bei Aufnahme von Sperma in die Scheide oder in den Darm kann äußerliches Abbrausen zur Risikominderung beitragen. Durch Pressen bzw. Stuhlgang können Sie versuchen, aufgenommenes Sperma teilweise aus der Scheide bzw. dem Darm zu entfernen.
  • Vaginale oder anale Spülungen sollten nicht vorgenommen werden, da sie die Infektionsgefahr durch mögliche Verletzungen eher erhöhen als verringern.
  • Wenn du befürchtest, dich mit HIV oder einer anderen sexuell übertragbaren Infektion (STI) angesteckt zu haben, solltest du möglichst bald zum Arzt oder einer Beratungsstelle (z.B. der Aidshilfe) gehen. Hier erfährst du, welche Risiken tatsächlich bestanden haben und welche Untersuchungen oder Behandlungen eventuell nötig sind.

 

Danke Mila für deine Zeichnung!

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